Fortunatus berichtet von seinem Besuch in Bukoba

Im Juni und Juli 2026 war ich in Bukoba und habe unser Team von Obuntu Tansania besucht Besonders gespannt war ich darauf, zum ersten Mal unser neues Obuntu-Büro zu sehen.
Es ist nur ein kleiner Raum, aber für Obuntu Tansania bedeutet er viel. Christina und Lydia haben nun einen festen Ort, von dem aus sie die Projektarbeit koordinieren können. Dort werden die Unterlagen der Teilnehmerinnen geführt, Gespräche finden statt und junge Mütter, Absolventinnen und Interessentinnen können mit ihren Fragen direkt vorbeikommen.
Dass Obuntu inzwischen stärker wahr-genommen wird, zeigt sich auch an vielen kleinen Dingen: Im Büro hängen neue Banner und sogar Christinas Auto trägt inzwischen das Obuntu-Logo. Im Besucherbuch finden sich bereits zahlreiche Einträge, darunter auch von Vertreter:innen lokaler Behörden. Lydia und Christina berichteten mir, dass diese zunehmend junge Mütter, die Unterstützung suchen, an Obuntu Tansania verweisen. Für mich ist das ein schönes Zeichen dafür, dass unsere Arbeit in Bukoba angekommen ist.
Und unser Ausbildungs-Programm läuft nun schon im sechsten Jahrgang: Zur Zeit sind sieben junge Mütter über Obuntu in einer beruflichen Ausbildung. Drei Teilnehmerinnen besuchen das Bakhita Vocational Training Center, vier weitere absolvieren eine praktische Lehre bei lokalen Ausbilderinnen – in den Bereichen Schneidern und Stricken, Büro-management und frühkindliche Bildung.
Dabei wurde mir einmal mehr bewusst, dass eine Ausbildung für diese Frauen nicht immer nur eine Frage des Lernens ist. Die Kinder-betreuung während der Ausbildung bleibt eine enorme Herausforderung. Und manchmal braucht es auch ein Dach über dem Kopf: Weil es nur begrenzte Möglichkeiten zur Unter-bringung gab, haben drei Obuntu-Mitglieder jeweils eine Programm-Teilnehmerin während ihrer gesamten Ausbildungszeit bei sich aufgenommen. Dieses enorme persönliche Engagement beeindruckt mich besonders. Es zeigt, wie sehr die Mitglieder vor Ort hinter der Arbeit von Obuntu stehen.
Besonders schön war für mich auch das Wiedersehen mit Abela, einer ehemaligen Obuntu-Teilnehmerin. Sie hat ihre Ausbildung im Friseurhandwerk erfolgreich abgeschlossen und inzwischen ihren eigenen kleinen Salon aufgebaut. Das Geschäft läuft gut und ermöglicht es ihr, für sich und ihr Kind zu sorgen, das mit einer körperlichen Behin-derung lebt. Als ausgebildete Friseurin blickt Abela zuversichtlich nach vorn und hat bereits den nächsten Schritt im Blick: Gemeinsam mit einer weiteren Friseurin möchte sie ihren Salon in Zukunft weiter ausbauen. Solche Be-gegnungen sind für mich immer wieder besonders.
Gleichzeitig wurde bei meinem Besuch deutlich, dass die Nachfrage nach Unter-stützung weiter steigt. Bis Juli waren bereits sechs weitere junge Mütter für das Obuntu-Programm identifiziert worden. Außerdem besteht Interesse an neuen Ausbildungs-bereichen, etwa in Event- und Torten-dekoration. Durch die wachsende Veran-staltungsbranche in Bukoba entstehen hier attraktive neue Beschäftigungsmöglichkeiten und Obuntu Tansania sucht derzeit nach geeigneten Ausbildungspartnern.
Dem wachsenden Bedarf stehen allerdings steigende Kosten gegenüber. Besonders deutlich zeigt sich das bei den Fahrtkosten: Bei der Planung des Budgets für das laufende Jahr haben wir noch mit 2.400 bis 2.800 TZS (ca. 0,85 €) pro Liter Benzin gerechnet. Zum Zeitpunkt meines Besuchs kostete der Liter bereits zwischen 4.200 und 4.600 TZS (ca. 1,45 €). Auch die Ausbildungskosten steigen, etwa am Bakhita Vocational Training Center, wo sich die jährlichen Unterbringungskosten von 500.000 auf 1.000.000 TZS (ca. 324 €) verdoppelt haben. Diese Zahlen sind mehr als eine Korrektur in unserem Budget. Sie bestimmen ganz konkret, wie viele junge Mütter wir mit den vorhandenen Mitteln unterstützen können.
Mein Besuch in Bukoba hat mir deshalb beides gezeigt: Obuntu Tansania ist heute sichtbarer und besser aufgestellt. Gleichzeitig wächst der Bedarf weiter. Das neue Büro ist ein wichtiger Meilenstein – aber vor allem ist es ein Ort, an dem die Arbeit für und mit den jungen Müttern weitergeht. Und genau das möchte ich auch in Zukunft gemeinsam mit unserem Team in Tansania und allen Unterstützer:innen in Deutschland möglich machen.
Herzliche Grüße, Ihr
Fortunatus Kabigiza
Erster Vorstandsvorsitzender Obuntu – Empowerment for Women and Children e. V.



